Technische Hilfeleistung Feuerwehr

Technische Hilfeleistung bei der Feuerwehr: Die Grundlagen für deinen Einsatzerfolg

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1. Warum Technische Hilfeleistung dein Kerngeschäft ist

Technische Hilfeleistung, kurz TH, ist bei der Feuerwehr längst kein Nebenschauplatz mehr. Sie macht über die Hälfte aller Einsätze aus – mehr als jeder andere Bereich. Die Zahlen der Niedersächsischen Landesfeuerwehrschule (NLBK) für 2022 zeigen das deutlich: In Niedersachsen standen 72.819 TH-Einsätze nur 23.681 Brandeinsätzen gegenüber.

Das Einsatzspektrum ist riesig. Von der Tierrettung bis zum schweren Verkehrsunfall ist alles dabei. Deshalb brauchst du eine solide Ausbildung. Du sollst deine Grundtätigkeiten so verinnerlichen, dass du sie auch unter schwierigen Bedingungen sicher abrufst – bei Platzmangel, schlechtem Wetter oder unübersichtlichen Lagen.

Das Ausbildungsziel: Du bereitest dich auf das breite Spektrum der Technischen Hilfeleistung vor. Am Ende beherrschst du Grundtätigkeiten und Einsatzgrundsätze auch unter Belastung sicher und selbstständig. Wie die komplette Modulare Grundlagenausbildung in Niedersachsen aufgebaut ist – von QS1 bis QS3 – liest du in unserem Artikel zu QS1, QS2, QS3

2. Wer macht was? Die Aufgabenverteilung im TH-Einsatz

Im Einsatz zählt jede Sekunde. Damit das klappt, hat jeder in deiner Gruppe oder Staffel eine feste Rolle – geregelt durch die Feuerwehr-Dienstvorschrift 3 (FwDV 3) und die Ausbildungsvorgaben der NLBK.

FunktionKernaufgaben im TH-EinsatzBesonderheiten/Verantwortung
Einheitsführer (GF)Führt die Einheit; bestimmt Fahrzeugaufstellung und Ordnung des Raumes sowie Standorte von Aggregaten.Verantwortlich für die Sicherheit der Mannschaft; an keinen festen Platz gebunden.
Melder (Me)Übernimmt Aufgaben bei der Lagefeststellung, der Informationsbeschaffung und der Betreuung von Personen.Unterstützt beim In-Stellung-Bringen der Einsatzmittel.
Maschinist (Ma)Fahrer und Bediener der Aggregate; sichert die Einsatzstelle sofort mit Warnblinkanlage, Fahrlicht und blauem Blinklicht ab.Unterstützt bei Geräteentnahme; verantwortlich für ordnungsgemäße Verlastung und Mängelmeldung.
Angriffstrupp (AT)Rettet Personen, leistet technische Hilfe und führt die Erstversorgung bis zur Übergabe an den Rettungsdienst durch.Bringt Einsatzmittel selbst vor, wenn der Schlauchtrupp nicht zur Verfügung steht.
Wassertrupp (WT)Sichert die Einsatzstelle auf Befehl gegen Gefahren (Verkehr, Brandgefahr) und leuchtet diese bei Bedarf aus.Steht nach Erfüllung der Sicherungsaufgaben für weitere Befehle zur Verfügung.
Schlauchtrupp (ST)Bereitet Geräte für den AT vor; unterstützt AT/WT und betreibt Aggregate.Taktische Redundanz: Übernimmt den Geräteeinsatz zur Rettung, wenn der AT durch die Erstversorgung gebunden ist.

3. Deine Werkzeugkiste: Ausrüstung gezielt einsetzen

Egal welche Funktion du hast: Einheitsführer, Melder und Maschinist eingeschlossen – du rüstest dich immer mit Handsprechfunkgerät und Beleuchtungsgerät zur Eigensicherung aus. Die restliche Ausrüstung richtet sich nach deinem Trupp und der Lage vor Ort.

Angriffstrupp

  • Erste-Hilfe-Kasten oder Notfallrucksack
  • Brechwerkzeug (z. B. Halligan-Tool, Brechstange)
  • Spezifische Rettungsgeräte nach Befehl

Wassertrupp

  • Absicherungsmaterial (Warndreieck, Warnleuchte, Verkehrsleitkegel)
  • Sicherstellung des Brandschutzes (Pulver- oder CO2-Löscher, Schnellangriffseinrichtung/C-Rohr)
  • Beleuchtungssatz (Flutlichtstrahler, Stativ, Leitungsroller, Abzweigstück)

Schlauchtrupp

  • Krankentransporttrage und weitere Erste-Hilfe-Ausrüstung (z. B. Patientendecke, Spineboard)
  • Aufbau der Ablage für Einsatzmittel
  • Bereitstellung und Betrieb der Aggregate

4. Die goldenen Regeln: Rettungsgrundsatz und Ordnung des Raumes

Eine strukturierte Patientenrettung folgt keinem Zufallsprinzip. Du arbeitest nach dem fünfstufigen Rettungsgrundsatz und einer klaren Raumordnung.

Der fünfstufige Rettungsgrundsatz:

  1. Sichern gegen Gefahren (Einsturz, Verkehr, Brand etc.)
  2. Zugang zum Patienten schaffen
  3. Lebenserhaltende Sofortmaßnahmen durchführen (höchste Priorität)
  4. Befreien aus der lebensbedrohlichen Zwangslage
  5. Übergabe an den Rettungsdienst

Ordnung des Raumes: Dein Einheitsführer teilt die Einsatzstelle in feste Bereiche ein:

  • Gefahrenstelle: der unmittelbare Einsatzort
  • Arbeitsbereich: Raum um die Gefahrenstelle für die arbeitenden Trupps
  • Absperrbereich: äußerer Ring zur Absicherung der Einsatzstelle
  • Ablage für Einsatzmittel: zentraler Platz für alle benötigten Geräte
  • Ablage für aus dem Einsatzbereich entfernte Gegenstände: Platz für Schrott und Trümmerteile (z. B. Fahrzeugtüren)
  • Bereitstellungsfläche: Bereich für nachrückende Reserven an Einsatzmitteln und -kräften

5. Einsatzvielfalt: Von Verkehrsunfällen bis zur Amtshilfe

Verkehrsunfälle: Du unterbaust und stabilisierst das Fahrzeug, um Erschütterungen für den Patienten zu vermeiden. Die Zündung bleibt anfangs aus, der Schlüssel steckt im Schloss, die Batterie bleibt angeklemmt. So kannst du elektrische Komfortfunktionen wie Sitzverstellung oder Fensterheber für die Rettung nutzen. Erst nach der Befreiung klemmst du die Batterie zur Brandverhütung ab – zuerst Minuspol, dann Pluspol. Setzt du Glassägen ein, tragen Patient und Retter Masken gegen Glasstaub. Merke: Erst sichern und stabilisieren, dann elektrische Funktionen für die Rettung nutzen, erst danach die Batterie trennen (Minus vor Plus).

Bauunfälle: Du beobachtest eingestürzte oder gefährdete Objekte durchgehend, um deine Kollegen rechtzeitig zu warnen. Im Tiefbau muss die Sicherung gegen nachrückendes Erdreich mit der Grabungstiefe mitwachsen. Merke: Baustatik ist unberechenbar – Gebäude ständig beobachten, Sicherungen kontinuierlich nachführen.

Ölspuren: Deine Aufgabe ist die Absicherung der Gefahrenstelle. Die Reinigung übernimmt der Straßenbaulastträger. Bindemittel setzt du nur sparsam ein – zu viel schadet Straßenoberfläche und Kehrmaschinen. Merke: Du sicherst ab, die fachgerechte Reinigung ist Sache des Straßenbaulastträgers oder von Fachfirmen.

Unwetterlagen: Eigensicherung geht vor. Motorkettensägen bedient nur geschultes Personal mit vollständiger Schnittschutzkleidung. Ein Baumbeobachter sichert deinen Trupp gegen herabfallende Äste oder nachstürzende Bäume. Merke: Arbeit unter Bäumen nur mit Baumbeobachter und qualifiziertem Personal nach Lehrgang.

Tierrettung: Jedes Tier in Not rettest du grundsätzlich. Da Tiere unter Stress unberechenbar reagieren, ziehst du im Zweifel einen Veterinär als Fachberater hinzu – zum Schutz von Mensch und Tier. Merke: Fachberater schützen Mensch und Tier durch Expertise und medikamentöse Unterstützung.

6. Sicher zum Ziel: Einsatzgrundsätze und Eigensicherung

Eigensicherung hat immer oberste Priorität. Ein Beispiel aus der Praxis: Bei älteren hydraulischen Schneidgeräten können an modernem Seitenaufprallschutz Messer brechen – das musst du kennen, bevor du ansetzt.

Check das vor jedem Einsatz:

  • Sicherung gegen fließenden Verkehr (Warnzeichen, Beleuchtung)?
  • Brandgefahr minimiert (Brandschutz mit geeigneten Löschmitteln)?
  • Lasten gegen unkontrollierte Bewegungen (Nachsacken/Wegrollen) gesichert?
  • Einsatzstelle ausreichend ausgeleuchtet?
  • Gefahr durch Betriebsstoffe oder Energieversorgung geprüft?
  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA) an die Lage angepasst (Gesichtsschutz, Gehörschutz, Staubmaske)?
  • Patient durchgehend betreut (Erkundung nie alleine durchführen)?

7. Fazit: Training ist die halbe Miete

Technische Hilfeleistung verlangt volle Konzentration. Die Aufgaben sind vielfältig, moderne Fahrzeugtechnik wird immer komplexer. Nur wer die Grundlagen im Schlaf beherrscht – von der Aufgabenverteilung bis zur Ordnung des Raumes – setzt sie im Stress auch wirklich sicher um.

Regelmäßiges, umfängliches Üben ist dein Fundament für einen sicheren und effizienten Einsatzerfolg.

Weiterlesen:

Du willst wissen, wie die komplette Modulare Grundlagenausbildung in Niedersachsen aufgebaut ist? Im Artikel zu QS1, QS2, QS3 bekommst du den kompletten Überblick über alle drei Stufen.

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